Rohwolle waschen

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Bevor ich nun so richtig mit diesem Thema loslege, möchte ich euch gerne kurze Infos zum rechtlichen Hintergrund geben. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Leider.

Es ist leider Fakt, dass jeder, der Rohwolle frisch von Schaf unbehandelt in seinem Besitz hat, sich dabei strafbar macht. Warum? An der Rohwolle könnten sich Seuchenerreger, Bakterien, Viren und sonstiges unsichtbares befinden, welche aber schlimme Auswirkungen haben können. Teilweise auch auf den Menschen. Daher muss Rohwolle behandelt werden, um diese Schädlinge sicher abzutöten. Ich bin hier kein Profi auf diesem Gebiet und möchte daher auf Artikel und Linksammlungen verweisen, in denen man sich besser einlesen kann:

So viel zum rechtlichen. Diese Infos habe ich selbst auch erst seit kurzem, muss ich zugeben. Es kommt eben doch allzu oft vor, dass man vieles gar nicht weiß und so manches daher übersieht. Ich habe mir daher vorgenommen, in Zukunft noch viel vorsichtiger mit Rohwolle umzugehen und alles abzukochen. Wie ich aber nun ein Rohwollvlies frisch vom Schaf behandle, zeige ich euch nun nach und nach.

Wolle vorsortieren Oberseite

Der erste wichtige Schritt, wenn man ein Rohwollvlies frisch vom Schaf bekommt, ist aussortieren. Hierfür lege ich das Vlies immer zuerst einmal vor mir aus. Wegsortiert werden verkotete und zu stark verfilzte Stellen und natürlich Stellen mit viel zu viel Einstreu. Gleichzeitig zupfe ich grobes Stroh oder anderes Grünzeug heraus. Ich drehe das Vlies auch um, so dass man von der Unterseite den Nachschnitt gut abglauben kann. Ich bin hier übrigens nicht zimperlich und sortiere lieber zu viel als zu wenig aus. Ja dabei entsteht jede Menge ‚Abfall‘. Dieser landet bei uns jedoch im Garten oder Kompost und dient wieder als Dünger. Es geht also nichts verloren. Und ganz ehrlich: Die Aufbereitung von Rohwolle bis hin zum fertigen Garn erfordert so viele Arbeitsschritte und viele viele Stunden, dass sich das wirklich nur für die Sahnestückchen lohnt. Ich habe daher auch schon ganze Vliese entsorgt, weil diese zu verdreckt oder zu verfilzt waren. Wolle gibt es mehr als genug. Daher ist das keine Verschwendung sondern eher ein wirtschafltich Denken.

Wolle vorsortieren UnterseiteDas kann weg!

 

Nach dem Sortieren geht es auch schon zum Waschen. Ich habe mir angewöhnt, zwei Waschgänge mit Spülmittel zu machen. Stinknormales Spülmittel reicht hier in der Regel völlig aus. Es kommt immer ein wenig auf das Vlies an, wie viel Lanolin (sprich Wollfett) in der Wolle enthalten ist. Manchmal reicht auch ein Spüli-Waschgang, manchmal benötigt man mehr als zwei Waschgänge. Das bekommt man mit der Zeit ins Gefühl.

Ich arbeite übrigens immer mit zwei Wannen und nehme das Wasser aus der Leitung, welches ich so heiß in die Wannen laufen lasse, wie es eben aus der Leitung kommt. Im Sommer wird unser Wasser von der Solaranlage auf dem Dach geheizt, was das wieder etwas umweltfreundlicher macht. Viel Wasser verbraucht das Wollewaschen aber dennoch. Daran kommt man nicht herum. Wenn ich eine Wanne mit heißem Wasser eingelassen habe, kommt das Spüli rein und dann die Wolle. Diese drücke ich immer nur vorsichtig ins Wasser bis sie sich vollständig vollgesogen hat. Meistens lasse ich die Rohwolle pro Waschgang ca. 10 Minuten im Wasser. In der Zwischenzeit lasse ich immer das Wasser in die zweite Wanne und achte darauf, dass der Temperaturunterschied nicht zu groß ist, denn sonst droht Filzgefahr! Nach 10 Minuten fische ich die Wolle vorsichtig aus dem Wasser und drücke sie vorsichtig aus, ohne sie zu viel zu bewegen, und lege sie direkt in die zweite Wanne.

Wolle waschen

Nach den Spüliwaschgängen folgen noch mehrere Spülgänge nur mit reinem Wasser. Das mache ich solange, bis das Wasser halbwegs klar bleibt. Dabei gehe ich bei jedem Spülgang wie oben beschrieben vor.

Hier endete bisher mein Waschprozedere. In Zukunft werde ich aber hier noch einen Zwischenschritt zum Abtöten von Keimen etc. einfügen. Der letzte Gang wird daher in meinem Einkochautomaten sein. Dort soll dann die Rohwolle nochmal mind. 120 Minuten bei 100°C abkochen, um auch wirklich jede Gesundheitsschädigung ausschließen zu können.

Und dann muss die Rohwolle nur noch trocknen. Dafür lege ich sie möglichst breitflächig auf einem mit einem Handtuch ausgelegten Wäscheständer aus. Zwischendurch lockere ich die Wolle immer wieder auf und wende sie auch mehrmals um den Trocknungsvorgang zu beschleunigen. Es kann allerdings trotzdem mehrere Tage dauern, bis die Wolle vollends trocken ist.

Wolle trocknen

Bei jedem Arbeitsschritt zupfe ich außerdem weiterhin Einstreu und zu sehr verfilzte Stellen heraus, wenn sie mir auffallen. Je sorgfältiger man damit ist, desto weniger muss man im Nachhinein zupfen und man bekommt schönere Kardenbänder oder Kammzüge je nach Aufbereitungsart.

Wenn Ihr noch Fragen zu diesem Thema habt, schreibt diese gerne unten in die Kommentare.

Liebe Grüße

Eure Steffi

11 Gedanken zu „Rohwolle waschen

  1. Liebe Steffi, ein sehr guter Beitrag! Obwohl ich in einer Rohwolle verarbeitenden Werkstatt gearbeitet habe und wir sehr auf Hygiene achteten, war mir (und ich glaube auch dem Rest des Teams) der volle Umfang der rechtlichen Vorgaben nicht bekannt. Sehr gut auch die Verlinkung! Vielen Dank! Ich werde mein ehemaliges Team in Kenntnis setzen, damit der Betrieb auf der sicheren Seite ist. Das ist umso wichtiger, da sie mit ihnen anvertrauten Menschen arbeiten. Viele liebe Grüße 🌞 Karin

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    1. Hallo Karin, ich gebe zu bis vor wenigen Wochen wusste ich das auch alles nicht. Und ich befürchte, das geht den meisten so. Leider ist die rechtliche Lage hier wirklich katastrophal. Ich hoffe, dein ehemaliges Team findet einen machbaren Weg! Liebe Grüße, Steffi

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      1. Das wird schon passen. Ich glaube der einzig schwierig zu handhabende Aspekt ist, dass die Werkstatt als Anlaufstelle für viele Hobbyschafhalter in der Region fungiert. Sie wissen wirklich nicht was alles kommt. Aber auf Hygiene wurde schon immer geachtet, nur das heiße Abkochen

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