Fiber Fact Friday Nr. 6: Temperaturausgleichende Wirkung von Wolle

Wolle ist ein unheimlich tolles Naturprodukt. Es kann sich von selbst reinigen. Wie das genau funktioniert, kannst du gerne nochmal hier nachlesen.

Aber das ist natürlich nicht die einzige tolle Eigenschaft, die Wolle mit sich bringt. Daher wollen wir uns hier mal die temperaturausgleichende Wirkung von Wolle genauer anschauen. Denn Wolle ist nicht nur im Winter ein tolles Bekleidungsstück. Auch im Sommer kann Wolle richtig viel!

Aufbau der Wollfaser

Umgangssprachlich sagt man immer, Wolle wärmt! Aber ist das wirklich so? Und warum fühlt sich Wolle so schön warm an – vor allem im Winter?

Das liegt vor allem an dem speziellen Aufbau der Wollfaser selbst. Denn sie besteht zu 85% aus Luft! Eine der entscheidenden Eigenschaften von Luft ist, dass sie kein guter Wärmeleiter ist. Das sorgt dafür, dass die eingeschlossene Luft in der Wollfaser als Isolator wirkt. So gelangt die Köperwärme nicht nach außen und die Außentemperatur nicht so schnell nach innen. Ein toller Wärmepuffer also!

Schafwolle wärmt also nicht von selbst, sondern lässt einfach keine Körperwärme entweichen. Einfach genial, oder?
Aber nicht nur die eingeschlossene Luft in den Fasern selbst sorgt für eine Wärmeisolation. Je nach Spinnart ist auch mehr oder weniger Luft zwischen den Fasern eingeschlossen. Streichgarne haben hier im Gegensatz zu Kammgarnen klar die Nase vorne!

Streichgarne sind besonders luftig gesponnene Garne, die beim Spinnvorgang noch mehr Luft zwischen den einzelnen Fasern binden. Mehr gebundene Luft heißt also auch einen größeren Wärmepuffer!

Aber diese tolle Puffereigenschaft kann man nicht nur im Winter wunderbar nutzen. Es ist ein großes Vorurteil, dass man unter Wolle im Sommer einfach nur schwitzt. Genau das Gegenteil ist der Fall! Zumindest wenn man möglichst reine und unbehandelte Wolle verwendet. (Hierzu verweise ich gerne auf meinen Beitrag zu Nonsuperwash vs. Superwash!)

Die gleiche Eigenschaft, die uns im Winter so schön warm hält, sorgt im Sommer dafür, dass wir nicht so schnell überhitzen. Denn die eingeschlossene Luft sorgt dafür, dass die Außentemperatur nicht so schnell an den Körper kommt. So puffert Wolle auch hier die Hitze vor uns ab. Also nur Mut zu Wolle im Sommer! Gerne in dünnerer Version. 😉

Wärmewirkung selbst bei Feuchtigkeit?

Aber wie ist es nun, wenn es plötzlich zu regnen beginnt? Bei Nässe kühlt man ja bekanntermaßen noch schneller aus!

Auch hier ist Wolle wieder die beste Wahl bei den Materialien! Denn im Gegensatz zu Baumwolle oder anderen Materialien, kann Wolle Feuchtigkeit absorbieren. Die Nässe wird dabei in den Faserkern der Wolle geleitet und bleibt oberflächlich trocken. So kann sie auch weiterhin ihre Wärmewirkung voll und ganz zur Entfaltung bringen.

Aber sie behält bei Feuchtigkeit nicht nur ihre Wärmewirkung, sondern vermehrt sie sogar noch! Durch das Zusammentreffen von Wolle mit Wassermolekülen wird ein exothermer Prozess in Gang gesetzt. Dieser sorgt dafür, dass Absorbtionswärme entsteht. Auch hier spielt der besondere Aufbau der Fasern wieder eine besondere Rolle. Denn die Wollfasern sind bipolar aufgebaut, was diese Reaktion auslöst. So erhöht sich die Temperatur bei Feuchtigkeit sogar um bis zu 10°C!

Auch völlig durchnässter Wollstoff hat noch wärmende Wirkung. Kaum zu glauben, aber wahr! Durch Bewegung wird hier mechanisch Reibungswärme erzeugt. Egal wie nass Wolle wird, sie hält uns trotzdem immer schön warm. Was für ein toller Naturstoff, Wolle doch ist!

Ein persönlicher Erfahrungsbericht:

Bei den Fiber Fact Friday-Beiträgen achte ich ja schon darauf, dass die Beiträge eher sachlich und faktenbasiert geschrieben sind. Jedoch möchte ich gerade bei diesem Thema auch meine eigenen persönlichen Erfahrungen mit einfließen lassen.

Wer diesen Blog schon von Anfang an mitverfolgt, dem ist vielleicht schon einmal aufgefallen, dass ich ein klein wenig Erfahrung mit der Living History-Szene habe. Kurz gesagt: Ich habe eine Weile lang selbst aktiv zeitweise im Mittelalter gelebt. Genauer gesagt im Hochmittelalter um 1250. Aktuell schläft dieses Hobby ein wenig, weil sich meine Interessen ein wenig verschoben haben. Hier kannst du gerne auch nochmal einen Bericht von mir durchlesen, über den wunderschönen Geschichtspark Bärnau!

Die Funktionskleidung im Mittelalter bestand aus einem Unterkleid aus Leinen, quasi der Unterwäsche, und einem Überkleid aus Wolle. Dies kann ein fein gewirkter Stoff sein oder gröberes Walkloden. Natürlichere Kleidung gibt es kaum! Jetzt ist es so, dass die meisten Mittelalter-Veranstaltungen traditionell im Sommer stattfinden. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich gefragt wurde, ob ich nicht unheimlich schwitzen würde unter der vielen Wolle bei 35°C im Schatten.

Dabei haben oft die Touristen mehr Probleme mit der Hitze gehabt, als wir Mittelalter-Darsteller mit unserer völlig natürlichen Kleidung. Ich kann also aus persönlicher Erfahrung sagen: Die Pufferwirkung der Wolle funktioniert einwandfrei!

Natürlich hatten wir auch mal verregnete Veranstaltungen! Und auch hier habe ich nur selten gefroren. Ein dicker Wollmantel ist die beste Regenkleidung. Man bleibt darunter schön trocken und warm. In einer syntethisch hergestellten Regenjacke schwitzt bzw. friert man viel schneller.

Wenn du noch Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema hast, dann schreib sie doch gerne in die Kommentare!

Liebe Grüße

Deine Steffi

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Quellen:
https://finkhof.de/eigenschaften-der-schafwolle
https://www.angelcab.de/wolle-vorteile/
https://www.outdoor-professionell.de/wolle-merinowolle-outdoor-vorteile-nachteile-eigenschaften/
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolle#Wichtigste_Eigenschaften_von_Wolle

7 Gedanken zu „Fiber Fact Friday Nr. 6: Temperaturausgleichende Wirkung von Wolle

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