Fiber Fact Friday Nr. 9: Kammgarn vs. Streichgarn

Hast du dich eigentlich schon einmal gefragt, welche Sorte Garn du da gerade verstrickst? Oder besser gefragt: Wusstest du überhaupt, dass es verschiedene Garnarten bezüglich ihrer Spinnart gibt? Nein? Dann solltest du hier unbedingt weiterlesen!

Garnarten gibt es viele. Vor allem wenn man in die Effektgarnrichtung blickt, kann man unzählige verschiedene Garnarten unterscheiden. Bei den glatten Strickgarnen gibt es aber im Wesentlichen zwei Hauptunterscheidungen. Die Rede ist hier von Kammgarn und Streichgarn. Aber worin unterscheiden sich diese beiden Garne? Und welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Spinnarten? Das wollen wir uns nun im Folgenden genauer anschauen!

Was ist eigentlich Kammgarn?

Spinnweise

Als Kammgarn bezeichnet man ein Garn, welches aus einem Kammzug im kurzen Auszug gesponnen wurde.

Ein Kammzug ist eine Art der Vorbereitung der Fasern für das Spinnen. Hierbei werden die Fasern gekämmt, um diese gleichmäßig und parallel in eine Richtung auszurichten. Dabei werden gleichzeitig Schmutz und zu kurze Fasern entfernt. Diese entfernten Teile nennt man auch Kämmling in der Fachsprache. Kammzüge werden in einem mehrmaligem Vorgang immer wieder gekämmt, um ein möglichst gleichmäßiges Ergebnis zu erhalten.

Der kurze Auszug lässt sich am einfachsten beim Handspinnen erklären. Hier hat man immer eine Faserhand und eine Ausziehhand. Die Faserhand hält den Faservorrat – hier den Kammzug. Die Ausziehhand zieht in regelmäßigen Bewegungen immer einen kleinen Teil der Fasern aus dem Faservorrat heraus, um ihn anschließend zu verdrehen. So entsteht ein Faden. Beim kurzen Auszug achtet man hierbei darauf, dass die Ausziehhand sich immer nur ein ganz kleines Stück von der Faserhand entfernt – maximal so weit, wie die einzelnen Fasern lang sind. Gleichzeitig streicht man die Fasern glatt.

Auf diese Weise entsteht ein sehr kompaktes, festes, glattes und gleichmäßiges Garn.

Verwendete Fasern

Für ein Kammgarn werden Wollfasern (also Fasern vom Schaf), Fasern anderer Tierarten, Chemiefasern (wie z.B. Polyamid) oder Mischungen aus diesen Fasern verwendet. Baumwollgarne, die aus Baumwollkammzügen gesponnen werden, nennt man dagegen nicht Kammgarn.

Um für ein Kammgarn verwendet zu werden, müssen die Fasern eine Mindestlänge von 60 mm aufweisen. Für weiche Garne werden üblicherweise Fasern mit einer Länge von 100-125 mm Länge verwendet.

Vor- und Nachteile

Das Kammgarn zeichnet sich durch seine hohe Reißfestigkeit aus. Es ist sehr strapazierfähig und hält so einiges aus. Das Garn ist auch wenig haarig, d. h. es hat wenige abstehende Faserenden.

Ein Kammgarn aus dickeren/härteren Fasern bekommt allerdings auch eher die Haptik von Paketschnur. Durch die feste Spinnweise können diese Garne auch schnell hart und unelastisch sein.

Wann spricht man von Streichgarn?

Spinnweise

Als ein Streichgarn wird dagegen ein Garn bezeichnet, das aus ungekämmter Wolle und Wollmischungen im langen Auszug gesponnen wird.

Ungekämmt heißt aber nicht, dass die Fasern nicht für den Spinnvorgang aufbereitet werden. Sie werden nur anders aufbereitet. Für Streichgarne werden die Fasern kardiert. Diesen Vorgang nennt man auch kratzen oder streichen. Letzteres ist für die Namensgebung dieser Garne verantwortlich. Das geht im Kleinen mit Handkarden oder auch mit einer Kardiermaschine. In der Industrie wird dafür ein Krempelwolf verwendet. Die Fasern werden darauf zu einem Vlies geformt, welches dann zu einem dünnen Kardenband bzw. Vorgarn aufgetrennt wird. Hierbei ist es jedoch nicht möglich, die kurzen Fasern herauszufiltern. Die Vliese beinhalten daher Fasern verschiedenster Länge. Die Fasern werden hierbei auch nur einmal durch den Krempelwolf geschleust. Dadurch sind die einzelnen Fasern nicht strickt parallel ausgerichtet, wodurch sie dem Garn mehr Volumen verleien.

Beim langen Auszug entfernt sich die Ausziehhand recht weit von der Faserhand. Auf jeden Fall länger als eine Faserlänge. Hierbei wird das Garn auch nicht glatt gestrichen. Da man bei dieser Spinnmethode etwas weniger Kontrolle über die Fasern hat, wird das Garn so auch unregelmäßiger. Allerdings wird es auch fluffiger, weil durch das fehlende Glattstreichen mehr Luft im Garn eingeschlossen wird. In der Industrie erledigt diesen Vorgang eine Ringspinnmaschine. Das Kammgarn ist das kürzeste Spinnverfahren, da es wesentlich weniger Maschinendurchläufe benötigt.

Verwendete Fasern

Für ein Streichgarn können Fasern unterschiedlicher Herkunft und Beschaffenheit miteinander verarbeitet werden. Die Mindestlänge beträgt hierbei lediglich 10 mm. Üblicherweise werden hier Fasern in einer Länge von 60-80 mm verwendet.

Vor- und Nachteile

Ein Streichgarn hat eine bessere Wärmewirkung. Das liegt an den größeren Lufteinschlüssen im Garn. Diese wirken als Wärmepuffer. Mehr Infos zu diesem Phänomen kannst du in meinem Blogbeitrag ‚Temperaturausgleichende Wirkung von Wolle‚ nachlesen. Außerdem ist es auch elastischer und fluffiger. Das Streichgarn sorgt auch dafür, dass etwas gröbere Fasern sich nicht so kratzig anfühlen. So kann man aus groben Fasern auch ein Garn herstellen, dass man gut auf der Haut tragen kann.

Die Garne sind jedoch auch haariger als die Kammgarne, d.h. es stehen mehr Faserenden heraus. Außerdem sind die Streichgarne wesentlich ungleichmäßiger. Hier muss man schonmal mit dickeren und dünneren Stellen im Garn rechnen. Und zu guter Letzt sind die Streichgarne auch nur in etwa halb so reißfest wie Kammgarne.

Hast du noch Fragen zu dem Thema Garnarten? Schreib mir diese gerne unten in die Kommentare!

Liebe Grüße

Deine Steffi

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Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kammgarn
https://de.wikipedia.org/wiki/Streichgarn
http://www.stofflexikon.com/kammgarn/589/kammgarn.html
http://www.stofflexikon.com/streichgarn/1121/streichgarn.html
https://www.stoff4you.de/stoff-lexikon/kammgarn/
https://www.stoff4you.de/stoff-lexikon/streichgarn/

2 Gedanken zu „Fiber Fact Friday Nr. 9: Kammgarn vs. Streichgarn

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