Fiber Fact Friday Nr. 14: Feuchtigkeitsregulierung von Wolle

Wolle, insbesondere Schafwolle, ist ein Wunderwerk der Natur. Das erzähle ich dir ja nicht erst seit gestern. Ich habe bereits ein paar Blogbeiträge über die Eigenschaften von Wolle verfasst. Wenn du dich da nochmal genauer einlesen magst, verlinke ich dir die bisherigen Beiträge hier:

Aber Wolle kann noch viel mehr! Allein die Wechselwirkung von Wolle und Wasser ist so spannend und so einzigartig. Es gibt keine andere Faser, die gleichzeitig hydrophob und hydrophil sein kann.

Wolle stößt Wasser ab

Dass Wolle Wasser abstößt, liegt der Außenhülle der Wollfaser. Diese sorgt durch ihren schuppenartigen Aufbau dafür, dass Schafwolle hydrophob, also wasserabweisend ist. Zusätzlich sorgt das natürliche Wollfett – auch bekannt als Lanolin – dafür, dass das Wasser von der Wolloberfläche abperlt. Das ist einer der Gründe, warum es ganz nützlich ist, wenn das Lanolin nicht ganz aus der Wolle gewaschen wird.

Diesen Effekt, dass Wolle wasserabstoßend ist, nutzt man im übrigen bei Stoffwindelüberhosen. Hier sorgt die Wolle dafür, dass die Windel nicht ausläuft. Auch Jacken aus Walkloden nutzen diese Eigenschaft. Bei leichtem Regen bieten sie einem wunderbaren Regenschutz – ohne, dass man darunter schwitzt.

Wolle reguliert die Feuchtigkeit

Aber Wolle ist nicht nur hydrophob. Gleichzeitig kann es auch Feuchtigkeit aufnehmen und zwar in Form von Wasserdampf. Dieser kann die Schuppenstruktur der Außenhülle mühelos passieren und wird im Faserstamm gespeichert. Denn dieser ist hydrophil, also wasseranziehend. Bis zu 35% des Eigengewichts kann die Wolle daher an Wasser aufnehmen – ohne sich nass anzufühlen. Schon faszinierend oder?

Daher zählt Wolle auch zu den hygroskopischen Fasern. Das heißt, dass sie die Feuchtigkeitsschwankungen der Umgebungsluft ausgleicht. Die Wolle nimmt die Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf (z.B. Schweiß) auf und gibt sie nach aussen an die Umgebungsluft wieder ab. Diese Feuchtigkeitsregulierung ist ein Grund dafür, warum Wolle so einen hohen Tragekomfort bietet.

Auch im Sommer ist sie so angenehm auf der Haut. Der Grund ist einfach erklärt. Wenn es warm ist, schwitzen wir, um unsere Haut abzukühlen. Man spricht hier von Verdunstungskälte. Wenn wir leichte Wollkleidung tragen, nimmt diese den Schweiß in Form von Wasserdampf auf – ohne den Effekt der Verdunstungskälte zu verringern. Die Wolle sorgt also dafür, dass wir angenehm trocken bleiben und kühlt uns gleichzeitig herunter. Diese Fähigkeit der Wolle nennt man auch Absorption. Genial, oder?

Feuchtigkeit erhöht die Dehnbarkeit der Wolle

Aber Wasser kann noch einen dritten Effekt auf die Wolle haben. Und zwar wenn es um ihre Dehnbarkeit geht. Im nassen Zustand lässt sich Wolle bis auf die doppelte Länge dehnen. Das liegt an ihrer Molekülstruktur. Und hier wird es ein bisschen chemisch, sorry! Die natürliche Molekülstruktur der Wolle hat eine Helixstruktur. Diese sorgt für die Flexibilität und Biegsamkeit der Faser. Wenn Wolle nun nass ist und gleichzeitig gedehnt wird, brechen durch das Wasser die Wasserstoffbrücken auf, die die Helixstruktur eigentlich zusammen halten. Dadurch entsteht eine sogenannte Faltblattstruktur mit neuen vorübergehenden Wasserstoffbrücken. Diese Form ist allerdings nur wenig stabil. Wenn die Dehnung beendet wird, fällt die Wollfaser wieder in ihre ursprüngliche Helixform zurück.

Diese Eigenschaft nutzen wir übrigens regelmäßig beim Spannen der Strickprojekte. Gerade Tücher werden ja gerne mal richtig groß gespannt. Oder auch bei einem Pullover kann man so noch den ein oder anderen cm an Breite oder Länge dazumogeln.

Kanntest du diese Eigenschaften der Wolle schon? Erzähl doch mal in den Kommentaren!

Wollige Grüße

Steffi

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Quellen:
https://www.outdoor-professionell.de/wolle-merinowolle-outdoor-vorteile-nachteile-eigenschaften/
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolle#Wichtigste_Eigenschaften_von_Wolle
https://blog.kaipara.de/feuchtigkeitsregulierung-bei-merino-wolle
https://chemiezauber.de/inhalt/q1/proteine-2/wolle.html

2 Gedanken zu „Fiber Fact Friday Nr. 14: Feuchtigkeitsregulierung von Wolle

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