Fiber Fact Friday Nr. 15: Schurwolle

Schurwolle. Ob auf der Garnbanderole oder dem eingenähten Label in gekaufter Kleidung – immer mal wieder findet man diese Bezeichnung. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um Wolle, die geschoren wurde. Vielleicht denkt ihr jetzt: ja klar, was denn sonst – und wer erzählt uns solche banalen Weisheiten hier? Hi, mein Name ist Judith, ich unterstütze Steffi ab sofort beim Fiber Facts Friday und das mit dem Scheren ist nicht so selbstverständlich, wie man meinen könnte…

Schnipp, Schnapp, Wolle ab: Die Schafschur

Zunächst einmal ist Schurwolle im Gegensatz zu Baumwolle oder synthetischen Garnarten ein Naturprodukt tierischen Ursprungs. Das allein reicht aber noch nicht, um etwas zu Recht Schurwolle nennen zu können. Es muss sich dabei um Wolle handeln, die von lebenden Tieren gewonnen wird. Ist das nicht der Fall, so spricht man von Sterblingswolle (bei auf natürlichen Wege verstorbenen Tieren) oder von Gerberwolle (bei geschlachteten Tieren). Wenn Wollfasern recycelt werden, man also Altwolle wieder neu aufbereitet, wird der Begriff Reißwolle verwendet.

Wenn ihr ein reines Schurwoll-Produkt kauft oder verarbeitet, könnt ihr euch also schon mal sicher sein, dass ihr es mit natürlichen Ressourcen zu tun habt. Aber ist das auch gut für die Tiere oder leiden sie bei der Schur? Steffi hat in einem früheren Fiber Fact Friday Beitrag ausführlich erklärt, was eingehalten werden muss, damit man von einer tierfreundlichen Schafschur sprechen kan.

Spoiler-Alert: Ja, Schafschur kann grausam sein; nämlich dann, wenn sie falsch gemacht wird und das wiederum kommt – wen wundert’s – im Zusammenhang mit Massentierhaltung leider auch vor. Besonders das Mulesing sollte unter allen Umständen vermieden werden. Diese Methode, bei der Lämmern Hautfalten am After entfernt werden, um sie vor Madenbefall „zu schützen“,  ist in Deutschland zum Glück verboten. Auch darüber klärt Steffi in ihrem Beitrag zum Thema Tierwohl auf.

Grundsätzlich gesprochen ist die Schur aber für heutige Schafrassen, die keinen natürlichen Fellwechsel mehr haben, sogar zwingend nötig, damit sie sich gesund und munter ihres Lebens freuen können.

Schurwolle = ein Alleskönner?!

Wie sooft im Leben sind die einfachsten Dinge die besten. Schurwolle besitzt von Natur aus viele wunderbare Eigenschaften, die Hightech-Fasern nur nach komplizierten Entwicklungs- und Herstellungsprozessen annähernd erreichen können. Wem bei Schurwolle automatisch ein dicker, warme Wollpulli in den Sinn kommt, sieht lediglich eine der vielen Stärken dieses Produkts. Schurwolle wärmt nämlich nicht nur ganz hervorragend, sondern sie ist gleichermaßen in der Lage zu kühlen. Das macht sie zur perfekten Basis für Wanderkleidung oder Funktionswäsche. Dank ihrer gekräuselten Faserstruktur wird die Luft einerseits gut gespeichert, andererseits ist ein Gewebe aus Schwurwolle auch sehr atmungsaktiv. Im Fiber Fact Friday Nr. 14 erfahrt ihr außerdem alles über die feuchtigkeitsregulierende Wirkung von Wolle.

Eine Zahl, die mich dabei besonders überrascht hat: Wolle kann bis zu 35 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen ohne sich nass anzufühlen. Damit kann man „wohl klimatisiert“ so einige Berge erklimmen, würde ich sagen.

Schurwolle ist richtig „dufte“ 

Eine weiterer Vorteil von Schurwolle ist, dass sie Gerüche bindet. Das bedeutet nicht, dass euer Pullover nach den letzten drei Mal Spaghetti Bolognese Kochen riecht, sondern im Gegenteil: Wolle neutralisiert Gerüche. Ein bisschen ironisch finde ich das allerdings, denn wer mal an einem Schaf geschnuppert hat, weiß: Das ist dann doch eher ein intensives Erlebnis für die Nase. Als fertiges Kleidungsstück hingegen reicht oft schon Auslüften und dein Lieblingspulli riecht wieder frisch und sauber. Sollte er aber doch mal ein Bad nötig haben (siehe oben: Spaghetti Bolognese), dann ist es wichtig entweder per Hand oder mit speziellen Wollwaschprogrammen zu arbeiten, damit das gute Stück nicht verfilzt. Hohe Temperaturen sind für Wolle nämlich ein No-Go, da schon ab etwa 40 Grad das Wollwachs, das die Fasern umgibt, zu schmelzen beginnt. 

Wichtige Pflegetipps für Schurwolle

Wer Schurwolle – egal ob als fertig verarbeitetes Strickwerk oder als Knäuel – auch so richtig toll findet, sind Motten. Wie man mit den Biestern (ja, ich weiß, alle Tiere sind wichtig für den Kreislauf der Natur, aber bei Kleidermotten ist meine Toleranz sehr begrenzt…) am besten klar kommt, hat euch Steffi in ihrem Beitrag zur Mottenprophylaxe zusammengefasst.

Und wer jetzt Angst vorm Waschen bekommen hat, Stichwort „Alles eingelaufen“, muss sich keine Sorgen machen. We’ve got you covered, wie der Amerikaner sagt, und zwar hier.

Übrigens ist Schurwolle nicht nur in der Kleidungsherstellung ein wichtiger Rohstoff, sondern auch in der Produktion von Baustoffen und Wohntextilien. Sie ist nämlich schwer entflammbar, was sie zum idealen Dämmmaterial oder Grundstoff für Bezüge und Teppiche macht. 

Wie steht ihr zur Schurwolle? Seid ihr Puristen und verarbeitet am liebsten reine Naturprodukte oder dürfen es auch Mischgarne mit Hightech-Fasern sein?

So, da haben wir ihn gemeinsam geschafft. Den ersten Fiber Fact Friday mit Judith: hat gar nicht weh getan, gell?

Ich freu mich schon auf das nächste Mal – und ihr euch hoffentlich auch.

Bis dahin wollige Grüße,

Eure Judith

PS: Als @woolnatic gibts mein Gestricke auf Instagram zu sehen, gelegentlich mit Unterstützung meines Zwergdackelfräuleins Frida, um den Niedlichkeitsfaktor zu erhöhen.

PPS: Und hier schalte ich (Steffi) mich nochmal ein: Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat und du von Judith richtig viel lernen konntest, dann würden wir uns sehr freuen, wenn du die Arbeit an diesem Blog ein wenig unterstützen magst. Kaufe uns hier einfach einen kleinen Kaffee für nur 3 Euro! Oder teile den Blogbeitrag ganz einfach auf Social Media mit deinen Freunden! Das würde uns die Welt bedeuten! :-*

Quellen:
https://utopia.de/ratgeber/schurwolle-das-ist-der-unterschied-zu-normaler-wolle/
https://schneewolle.de/lexikon/schurwolle/
https://www.tierschutzbund.de/aktion/mitmachen/verbrauchertipps/merinowolle/
https://www.camp4.de/blog/produkte/wolle-oder-schurwolle/

2 Gedanken zu „Fiber Fact Friday Nr. 15: Schurwolle

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